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Sprache-

lebendig, bildhaft und verständlich

Nachdem Sie Ihre Ideen gemäß der Redestruktur geordnet haben, geht es nun ans
>> Eingemachte <<, den Inhalt der Rede. Dies wiederum sollte in ein Sprachgewand
gekleidet sein, das einerseits zu Ihnen passt und anderseits den Zuhörern gefällt.
Gefällig ist, was verständlich ist und authentisch dargeboten wird.

Die gute Wahl

Wenn Sie Ihre Ideen und Gedanken in Worte kleiden, achten Sie darauf, dass Worte
und Sätze Ihrer normalen Sprechgewohnheit entsprechen. Reden Sie als Handwerksmeister
nicht wie ein Professor. Und versuchen Sie als Professor nicht, wie ein Handwerksmeister zu
sprechen. Nur wenn Sie Worte wählen, die zu Ihnen passen, wirken Sie authentisch, gleich
ob Sie an den Verstand oder das Gefühl appellieren.

Dann denken Sie immer daran: Es gibt grundsätzliche Unterschiede zwischen Schreib- und Sprechstil.
Selbst eine gut geschriebene Rede kann beim mündlichen Vortrag durchfallen. Vieles, was rhetorisch
gut >> rüberkommt <<, z. B. die Wiederaufnahme, sieht in der Schriftform etwas simpel aus. Viele
Menschen verbinden mit Rhetorik die Vorstellung, besonders gewählt und gebildet oder gar
kompliziert sprechen zu müssen. Das lässt keine natürliche Ausstrahlung entsstehen, und der
Funke springt zum Zuhörer nicht über. Vereinfachen Sie daher bewusst das was Sie sagen wollen.

Um glaubwürdig zu wirken, müssen Sie auch den richtigen Ton treffen. Sind Sie ein eher humoriger
Typ, wirkt ein festlicher Ton bei Ihnen im günstigsten Fall deplatziert, meist jedoch störend. Den
gleichen Effekt erzielt ein eher konventioneller Mensch in humorigem Rededuktus. Oder ein sehr
junger Festredner mit einem allzu würdigen Text.

 GANZ WICHTIG  Reden Sie in einer Sprache, die Ihr Publikum versteht. Sonst sprechen Sie
an Ihrer Zielgruppe vorbei und erzeugen nur mühevoll unterdrücktes Gähnen. Wählen Sie daher
Worte, die Sie sonst auch benutzen würden, und sprechen Sie kein >> Fest - Chinesisch <<,
um eine gute Figur zu machen. Damit bewirken Sie weitaus häufiger das Gegenteil.


Reden schreiben leicht gemacht

Weit Ausschweifendes ermüdet, vor allem die Zuhörer, um die es Ihnen ja geht.
Bringen Sie daher die Dinge auf den Punkt. Wenn Sie bei Wortwahl und Satzbau einige einfache
Regeln beachten, folgen die Zuhörer Ihrer Rede mit ungeteilter Aufmerksamkeit bis zum Schluss.

Schlüssel zu einem guten Redestil

   Kurze, prägnante Sätze! >> Er geht nach Berlin. Er schreibt sich für Chemie ein <<,
     das lässt sich leichter merken als >> Um seinen Studiengang fortzusetzen und weil
     er sich in erster Linie für anorganische Chemie zu interessieren beginnt, wählt er
     Berlin als Ort für weiterführende Studien. <<

   Verben statt abstrakter Substantive! Sprechen Sie vom >> Klauen << anstatt von
     der >> Entwendung einer fremden beweglicher Sache <<.

   Aktive Verben! Passivsätze lassen sich fast immer >> umdrehen <<.

   Komplizierte Sachverhalte einfach formulieren! Lernen Sie von der
     auflagenstärksten deutschen Zeitung!

   Fremdwörter vermeiden! Der deutsche Sprachschatz ist groß und schön.

   Das treffende Wort suchen! Gegebenfalls im Wörterbuch nachschlagen.

   Modewörter und Phrasen meiden!

   Bilder, Metaphern, Beispiele und Ähnliches einsetzen! Das bleibt im Gedächnis

   Möglichst viele Sinne ansprechen! Auch das bleibt gut in Erinnerung.

   Rhetorische Fragen verwenden!



Reden ist Kino im Kopf

>> Reden ist Kino im Kopf <<, so der professionelle Redenberater Friedhelm Franken.
Anders ausgedrückt: Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte. Sprechen Sie daher plastisch und
bildreich. Dafür müssen Sie kein großer Dichter sein. Beherzigen Sie einige Stilmittel, und
bedenken Sie dabei, dass der >> Wurm den Fisch und nicht dem Angler << schmecken muss.
Das Brautpaar soll glücklich lächeln, die Festgesellschaft sich freuen, darauf kommt es an.


 VERGLEICH UND GLEICHNIS  Ein Sachverhalt wird durch Vergleich mit einem Umstand
aus einem anderen Bereich verdeutlicht:
Jedes Jahr heiraten in Deutschland 220.000 Paare, sozusagen zieht eine Stadt wie
Oberhausen im Ruhrgebiet auf das Standesamt.

 Wiederaufnahme  Wiederaufnahme dienen der besonderen Hervorhebung des
Gesagten, der nachdrücklichen oder gliedernden Wiederholung:
>> Nichts konnte sie von ihrem Vorsatz abhalten, nichts ließ sie gelten, nichts stimmt sie um. <<
>> Endlich traut er sich, endlich sprach er Alina an, endlich kam die Geschichte in Gang! <<

 ENTGEGENSTELLUNGEN Besonders eindringlich wirken kurze, spiegelbildlich gebaute
Satzabschnitte oder Sätze, da sie die Zuhörer aufhorchen lassen:
>> Die Kunst ist lang, kurz unser Leben. <<

 GEGENSÄTZE  Ein Gedanke wird durch Gegensätze verdeutlicht:
>> Julian besitzt einen guten Charakter, aber eine schlechte Menschenkenntnis. <<
>> Heiß ist die Liebe, kalt ist der Schnee. <<
>> Leicht ist eine Ehe zu schließen - schwer, sie zu führen. <<

 RETORISCHE FRAGE  Eine Aussage wird als Scheinfrage formuliert, auf die keine
Antwort erwartet wird, da diese allen klar ist. Anderseits können Sie so auch eine
dialogische Struktur erzeugen, indem Sie Fragen der Zuhörer auffangen:
>> Wer wüsste nicht, was Alina in diesem Moment fühlte? <<

 IRONIE  Eine Sache wird mit einem Wort bezeichnet, das letztlich das Gegenteil meint:
>> Intelligent wie er war, dachte er dieser Liebe zu entkommen. <<

 ALLEGORIE  (>> Anders sagen <<) Bildliche Ausdrucksweise, die übertragen zu verstehen
ist. Sie lässt sich als Vergleich auffassen, bei dem der erste Vergleichspunkt und das Wort
>> wie << ausgelassen ist:
>> Die Liebe entflammte in ihr, loderte auf und ergriff von ihr Besitz. <<






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